Pädagogisches Konzept der Kinderarche e.V.

Inhaltsverzeichnis

    1. Kurzvorstellung
    2. Zielgruppe
    3. Ziele
    4. Pädagogische Arbeit
    5. Mitarbeiter
    6. Räumlichkeiten
    7. Elternarbeit
    8. Zusammenarbeit mit anderen Institutionen
    9. Besondere Projekte
    10. Öffentlichkeitsarbeit
    11. Tagesablauf

Stand November 2016

1. Kurzvorstellung

Die Kinderarche ist eine soziale Einrichtung, in der Kinder im Grundschulalter nach Schulschluss von Erzieherinnen und Ehrenamtlichen betreut werden. Die Kinder bekommen Mittagessen, Hausaufgabenbetreuung und Freizeitgestaltungs- möglichkeiten bis sie nach Hause gehen oder abgeholt werden. Zurzeit sind 148 Kinder in den verschiedenen Kinderarchen angemeldet. Da die Betreuung flexibel nach Bedarf genutzt werden kann, variiert die Anzahl der Kinder täglich. Die Kinderarche bietet Betreuung von montags bis freitags von 12:30Uhr bis 17:30Uhr an.

2. Zielgruppe

Die Kinderarche betreut Grundschulkinder an folgenden Standorten:

  • Etelsen – seit September 2007 (48 Kinder)
  • Langwedel 1 – seit September 2010 (67 Kinder)
  • Völkersen – seit September 2015 (33 Kinder)

In der Regel sind die Kinder zwischen 6 und 10 Jahre alt. Sie kommen aus verschiedenen sozialen Schichten. Die Kinder bringen die unterschiedlichsten sozialen und kognitiven Voraussetzungen mit.

3. Ziele

Unser Hauptziel ist es, den Kindern einen rhythmischen, strukturierten Tagesablauf zu bieten, da sie durch zuverlässige Rituale Orientierung und Sicherheit erfahren.

Die Kinder aufzufangen und ihnen durch ein familienähnliches Miteinander Geborgenheit zu geben, entspringt unserem Arche-Gedanken. Außerdem ist es für uns ein wichtiges Ziel, die Emphatiefähigkeit der Kinder zur Entfaltung zu bringen. Ein weiteres Ziel ist, integrierter Bestandteil der Schule zu sein. Durch gezielte Hausaufgabenbetreuung und in besonderen Fällen auch durch speziellen Förderunterricht, werden die Kinder auf den Schulunterricht vorbereitet und erhalten dadurch ein Gefühl der Sicherheit. Die enge Zusammenarbeit mit den Lehrern unterstützt dieses Ziel.

Auch wollen wir alleinerziehenden Eltern die Möglichkeit geben, unbesorgt einer Arbeit nachzugehen.

4. Pädagogische Arbeit

Unser Name „Kinderarche“ soll bereits auf den Grundgedanken unserer pädagogischen Arbeit hinweisen. Die Kinder sollen durch das familiäre Miteinander aufgefangen sein, sich geborgen fühlen und durch einen strukturierten Tagesablauf Sicherheit erhalten. Dies wollen wir erreichen, indem wir Bezugs- und Vertrauenspersonen für die Kinder sind. Wir haben stets ein offenes Ohr für sie und ihre Belange. Wir lassen uns auf die Kinder ein, um uns in sie hineinzufühlen. Aufmerksam beobachten wir die Kinder und ihre Stimmungen, um gezielt darauf reagieren zu können.

Die Kinder sollen lernen, rücksichtsvoll und wertschätzend miteinander umzugehen. Uns ist es wichtig, dass sie den Anderen nehmen wie er ist – mit seinen Stärken und Schwächen. Das gemeinsame Erleben in Gruppenprozessen stärkt den Aufbau von sozialen Kompetenzen. Unsere gemeinsam mit den Kindern erarbeiteten Gruppenregeln tragen auch dazu bei.

Aber auch die Bestärkung des Einzelnen als Individuum ist ein wichtiger Faktor. Seine intrinsischen Fähigkeiten sollen zur Entfaltung kommen. Das Selbstwertgefühl sowie das Selbstbewusstsein der Kinder wird gestärkt durch Lob, Anerkennung und übertragen von Verantwortung. Im Folgenden wollen wir uns noch auf einige Punkte des Tagesablaufs beziehen. In unserem Tagesablauf sind festgelegte Regeln integriert, die den Umgang miteinander und den Umgang sowohl mit Spielmaterial als auch mit Lebensmitteln vorschreiben.

Wenn die Kinderarche beginnt können die Kinder, durch das Freispiel bis zum warmen Mittagessen, Abstand von dem anstrengenden Schulvormittag gewinnen. Das gemeinsame Mittagessen hat eine große Bedeutung, da die warme Mahlzeit in vielen Familien keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Es finden sich immer Kinder, die bereit sind, freiwillig beim Eindecken des Tisches zu helfen. Dadurch lernen sie kleine hauswirtschaftliche Tätigkeiten zu verrichten und hilfsbereit zu sein. Die Freiwilligkeit verstärkt die intrinsische Motivation.

Zu unserer Sauberkeitserziehung gehört, dass sich die Kinder vor jeder Mahlzeit die Hände waschen. Zur Platzfindung hat jeder sein eigens gemaltes Tischset. Nach dem Essen ist jeder eigenständig für das Aufräumen seines Platzes verantwortlich.

Ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit ist die Hausaufgabenbetreuung. Jedes Kind hat seinen festen Arbeitsplatz. Dies dient zur schnellen Platzfindung und dazu, bestimmte Konstellationen zu verhindern – Vermeidung von Unruhe und gegenseitigem Ablenken. Die Hausaufgaben sollen eigenverantwortlich verrichtet werden, jedoch können die Kinder jederzeit unsere Hilfe in Anspruch nehmen. Durch die anschließende Kontrolle der Hausaufgaben bekommen die Kinder Sicherheit für den nächsten Schultag. Zusätzlich bieten wir für lernschwächere Kinder, vielfach auch mit Migrationshintergrund, zweimal wöchentlich Förderunterricht an. Für den damit verbundenen Erfolg haben wir von den Lehrern schon viele positive Rückmeldungen bekommen.

Vor und nach unserer „Kekspause“ haben die Kinder Freispielzeit und Zeit an freiwilligen Angeboten teilzunehmen. Dies fördert die Entscheidungsfähigkeit und das Ausleben von eigenen Interessen. Da die Kinder bereits im Grundschulalter sind, dürfen sie bei Bedarf auch mal unbeobachtet spielen und Rückzugsmöglichkeiten nutzen.

Unsere „Kekspause“, mit Getränken, Obst, Gemüse und Süßem, nutzen wir zur Stärkung und als Gelegenheit uns auszutauschen. Die flexible Abholzeit bietet den Eltern die Möglichkeit die Kinderbetreuung ihren Arbeitszeiten anzupassen Wichtig ist uns, dass die Kinder sich verabschieden, wenn sie gehen oder abgeholt werden. Wir sind überzeugt davon, dass wir mit unserer pädagogischen Arbeit zu Prävention beitragen.

5. Mitarbeiter

In den Kinderarchen arbeiten Erzieherinnen, Honorarkräfte, Ehrenamtliche, Schüler und Studenten in unterschiedlichen Zusammensetzungen. Besonders hervorzuheben ist die freiwillige Arbeit der vielen Ehrenamtlichen.

Die breit gefächerte Altersstruktur des Teams, bietet den Kindern z.B. Ersatz für großen Bruder/Schwester bzw. Oma/Opa. Dieses trägt dazu bei, ein familienähnliches Gefüge zu schaffen.

Da es heutzutage auch viele alleinerziehende Mütter gibt, ist es auch ein Vorteil, dass die Kinder in der Kinderarche z.T. männliche Bezugspersonen haben.

An 4 Tagen in der Woche nimmt die Leiterin und Gründerin der Kinderarche in den Einrichtungen am Gruppengeschehen teil. Zusätzlich verrichtet sie mit Unterstützung einer Honorarkraft in einem ausgelagerten Büro die komplette Verwaltungs- und Büroarbeit. Zu ihrem weiteren Aufgabenfeld gehören u.a.:

  • Kontaktaufnahme mit potenziellen Paten, Sponsoren und Medien
  • Personalmanagement
  • Organisation z.B. von Projekten
  • Finanzbuchhaltung

Es findet alle 2 Monate mit allen Fachkräften eine Teamsitzung statt. Die Mitarbeiter nehmen das Angebot von unterschiedlichen Fortbildungen und Seminaren gern wahr.
Auch gibt die Kinderarche Schülern und Auszubildenden die Möglichkeit berufsbezogene Praktika zu machen.

6. Räumlichkeiten

Der Flecken Langwedel stellt der Kinderarche Räumlichkeiten in den 3 Grundschulen zur Verfügung. Jede Kinderarche hat eine Küche bzw. Küchenzeile und mehrere Betreuungsräume werden für die Hausaufgaben und Freizeitgestaltung bereitgestellt. Die Schulhöfe und Turnhallen dürfen die Kinder ebenfalls mitnutzen. Die Kinder haben in jeder Kinderarche eine Möglichkeit sich auch mal zurückzuziehen, z.B. in Form einer „Kuschelecke“.

7. Elternarbeit

Die Kinderarchen führen regelmäßig Elternabende durch, bei Bedarf können individuelle Elterngespräche stattfinden.
Die Erfahrung hat gezeigt, dass durch die täglichen Tür- und Angelgespräche für viele Eltern eine Vertrauensbasis entstanden ist, die den intensiven Austausch möglich macht. Wenn erforderlich, vermitteln wir auch Kontakte zu Beratungsstellen und anderen Fachkräften.
Durch die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Eltern gelingt es häufig, die Bereitschaft der besser verdienenden Familien zu wecken, die Schwächeren mitzutragen. Allerdings gibt es seit einigen Jahren eine sozialangepasste Gebührenordnung, denn auch finanziell schwächeren Familien soll ermöglicht werden, ihr Kind gut betreut zu wissen.

8. Zusammenarbeit mit anderen Institutionen

Im Laufe der Jahre hat sich eine enge Zusammenarbeit mit verschiedenen Institutionen entwickelt.

Grundschule: Die Grundschulen befürworten und unterstützen die Arbeit der Kinderarche. Es findet ein reger Austausch statt. Alle Eltern haben Einverständniserklärungen unterschrieben, die es der Kinderarche rechtlich gestattet, Kontakt mit den jeweiligen Klassenlehrern aufzunehmen. Dies dient dazu, Probleme zu erörtern und den Kindern bei Bedarf Hilfestellung zu geben. Auch organisatorische Dinge werden mit der Schule abgesprochen.

Jugendamt: Bei extrem auffälligen Kindern oder schwierigen Situationen wendet sich die Kinderarche an das Jugendamt, um sich beraten zu lassen. Bei diesem Austausch erarbeiten wir Lösungswege, die den Kindern und ihren Familien helfen können. So ist es uns in Einzelfällen z.B. gelungen, Kindern mit großen Auffälligkeiten ein besseres und für sie geeigneteres Umfeld zu schaffen. Beratungsstellen und Fachkräfte: Die Kinderarche nutzt Angebote der Beratungsstellen, z.B. „Horizonte“, für Fortbildungszwecke der Mitarbeiter. Aber auch situationsorientiert besuchen wir mit den Kindern Beratungsstellen, z.B. zum Thema „Aufklärung“. Die Kinder haben auch schon Projekte mit Fachkräften zum Thema Kinesiologie, autogenes Training und Malerei erlebt.

Gemeinde: Die Kinderarche tauscht sich auch mit den Gemeinden aus, z.B. über Räumlichkeiten oder Ferienbetreuung.

Sportvereine: Es ist selbstverständlich für die Kinderarche, die örtlichen Sportvereine mit einzubringen. Bei Auffälligkeiten der Motorik finden wir gemeinsam mit den Kinder und Eltern eine geeignete Sportart für die Kinder und vermitteln sie dann gerne an die örtlichen Sportvereine. Die Kinderarchen-Mitarbeiter organisieren dann den zeitlichen Ablauf, so dass die Kinder dann pünktlich an den Sportveranstaltungen teilnehmen können.

Altenheime: Die Kinderarchen besuchen in regelmäßigen Abständen die benachbarten Seniorenheime. Dort wird generationsübergreifend miteinander gebastelt, gespielt und gelacht. Das dient dazu, respektvolles, hilfsbereites und liebevolles Verhalten der Kinder gegenüber der älteren Generation zu fördern. Dieses Angebot wird von den Heimbewohnern und von den Kindern freudig angenommen und es ist eine willkommende Abwechslung.

9. Besondere Projekte

Zusätzlich zu den kleinen Angeboten, die in den Tagesablauf mit einfließen, wie z.B. Basteln… , hat die Kinderarche schon folgende Großprojekte durchgeführt:

  • „Spaßaktivitäten“ (trotz allem mit Lernfaktor)
    • Zoo
    • Kino
    • Zirkus
    • Ernteumzugswagen
    • Bushaltestellen u. Gartenmauer bemalt
    • Sommerfeste
    • Besuch anderer Kinderarchen
    • Kerzen ziehen
    • Besuch vom Zauberer
    • Fußballwoche
  • Entwicklungsfördernde Aktivitäten
    • Hilfsaktion für behindertes Mädchen
    • Autogenes Training
    • Projekt mit einer Kinesiologin
    • Besuch Beratungsstelle „Horizonte“
    • Aufklärung

Die Kinderarche bietet auch Ferienbetreuung an.

10. Öffentlichkeitsarbeit

Bei besonderen Anlässen und Projekten beziehen wir Presse, Fernsehen und Radio mit ein, um die Öffentlichkeit auf uns aufmerksam zu machen.

11. Tagesablauf

  • 12:30
    • Beginn der Kinderarche
    • Freispiel bis zum Mittagessen
  • 13:10
    • Gemeinsames Mittagessen
      (wird von einem Catering-Service geliefert)
  • 13:45
    • Hausaufgaben
      2mal wöchentlich zusätzlich Fördergruppe
    • Nach den Hausaufgaben Übergang zum Freispiel
  • 15:15
    • „Kekspause“
      Stärkung für die Kinder mit Obst, Gemüse, Süßem und Getränken
  • Danach
    • Freispiel und freiwillige Angebote
    • Flexible Abholzeit
  • 17:30
    • Kinderarche zu Ende

Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Kinder gerne und langanhaltend in die Kinderarche kommen.